Saturday, February 13, 2010

Genesis P-ORRIDGE Ausstellung Pressemitteilung 13. März 2010

PRESSEMITTEILUNG
Ausstellung:
Genesis BREYER P-ORRIDGE “SPILLAGE...Cut-Ups as a way of L-if-E”

Eröffnung: Samstag 13. März 2010, 18 bis 22 Uhr
Ausstellungsdauer: 13. März bis 4. Mai 2010
Öffnungszeiten: Donnerstags bis Samstags 12 bis 18 Uhr
Ort: rupert goldsworthy gallery, Alexandrinenstraße 4, 10969 Berlin

rupert goldsworthy gallery freut sich “SPILLAGE...Cut-Ups as a way of L-if-E” eine Einzelausstellung der legendären britischen Künstlerin/Performerin Genesis BREYER P-ORRIDGE präsentieren zu dürfen.

Die Ausstellung versammelt ausgewählte Papiercollagen von BREYER P-ORRIDGE aus der Zeit von 1988 bis zur Gegenwart.

Es sei so, wie es ist. Genesis BREYER P-ORRIDGE ist eine wahre Legende des anglo-amerikanischen Underground, eine Anti-Heldin der Avantgarde, deren beeindruckendes Gesamtwerk uns einmal mehr ins Bewusstsein ruft, dass Gefährliches und Bedeutsames, nie weit voneinander entfernt liegen – und dass künstlerische Integrität, von demjenigen, der an etwas glaubt, auch entsprechend gelebt werden muss.

“SPILLAGE...Cut-Ups as a way of L-if-E” zeigt Collagen, die im Verlauf von P-Orridges aufsehenerregender Karriere entstanden und die Bandbreite und Reichweite ihrer Beschäftigung mit einem Medium offenbaren, das die Künstlerin Zeit ihres Lebens begleitet hat.

P-Orridge wurde 1969 mit der Gründung von COUM Transmissions bekannt, einem umstrittenen und stark dadaistisch beeinflusstem Performance-Kollektiv, aus dem später die Band Throbbing Gristle hervorging (1981 gründete P-Orridge die Band Psychic TV). Bis zur Auflösung im Jahr 1976 erweiterte und sprengte COUM die Grenzen und Definitionen zeitgenössischer Kunst und Performance Art und ebnete damit den Weg für spätere bahnbrechende Arbeiten. Der Höhepunkt der kreativen Laufbahn von COUM war die Ausstellung „Prostitution“ im Londoner ICA 1976, mit einer Stripperin, Skulpturen aus benutzten Tampons und zweckentfremdeter Pornographie, Transvestiten fungierten als Museumswächter. Die Ausstellung sorgte derart für Aufruhr, dass im britischen Parlament Anträge diskutiert wurden, die staatliche Subventionierung von öffentlicher Kunst einzustellen. P-Orridge und ihre Kollaborateure wurden als „Zerstörer der Zivilisation“ bezeichnet – nachzulesen in dem gleichnamigen Buch („Wreckers of Civilization“) von Simon Ford, Kurator am Victoria and Albert Museum in London.

Anfang der siebziger Jahre lernte P-Orridge William S. Burroughs kennen, der ihr Brion Gysin vorstellte – es war der Beginn einer fruchtbaren und wegweisenden Zusammenarbeit. Unter Gysins Anleitung machte Burroughs die „Cut-up“-Technik der Surrealisten vom Beginn des 20. Jahrhunderts erneut populär. Die Surrealisten hatten Texte oder narrative Bilder zerschnitten und auf eine Weise zusammengesetzt, so dass neue, nicht-lineare Formulierungen entstanden. Diese, vor allem auch für die Dadaisten bedeutende Praxis, sollte P-Orridge ihre gesamte Laufbahn über beeinflussen und bleibt bis heute integraler Bestandteil ihrer Arbeit, was “SPILLAGE...Cut-Ups as a way of L-if-E” anschaulich belegt.

P-Orridge wirkte bereits früh an Fluxus und Mail Art mit, wandte Theorien von John Cage (auf denen Fluxus beruht) auf die Aufnahme „Early Worm“ aus dem Jahr 1968 an, und pflegte unter anderen mit Ray Johnson regen künstlerischen Austausch. Das britische General Post Office warf ihr 1976 vor, „unanständiges und anstößiges Material“ per Post verschickt zu haben, darunter entstellte und entfremdete Abbildungen der Königin (einige dieser Bildbearbeitungen sind ebenfalls in dieser Ausstellung zu sehen). Wie viele Künstler zu jener Zeit, lehnte auch P-Orridge marktorientierte Schaffensprozesse ab und bevorzugte stattdessen die Arbeit im Rahmen einer künstler-zentrierten kreativen Gemeinschaft, die keinerlei Absicht verfolgte, an der kommerzialisierten Kunstszene teilzuhaben. Später begann sich P-Orridge beeinflusst von den Theorien des Künstlers Austin Osman Spare mit okkulten Praktiken zu beschäftigen. Mit ihrer „Sigillenmagie“ erkundete sie im Rückgriff auf Techniken wie das automatische Schreiben, Zeichnen und Handeln, die Beziehung zwischen dem bewussten und dem unbewussten Ich - Spuren davon sind in den gezeigten Collagen auffindbar.

In den neunziger Jahren begann die Zusammenarbeit zwischen P-Orridge und der Performancekünstlerin Lady Jaye Breyer, die sich auf ein zentrales Anliegen konzentrierte – die Dekonstruktion der Fiktion des Selbst. Wiederum von „Cut-up“-Techniken beeinflusst und als Gegenreaktion gegen jedwede erzwungene Beschränkung der persönlichen und expressiven Identität, sowie im Geist wahrer Liebe, wendeten P-Orridge und Lady Jaye die Strategie des „Auseinanderschneidens“ auf ihre eigenen Körper an. Absicht war es ihrer beiden Identität vermittels plastischer Chirurgie, Hormontherapie, Travestie und gezielt modifizierten Verhaltensweisen in eine einzige „pandrogyne“ Figur zu verwandeln: „BREYER P-ORRIDGE“. Die Herangehensweise an den eigenen Körper erinnerte an die gestische Annäherung eines Malers, der sich auf besondere Merkmale wie Augenbrauen, Lippen und Brüste konzentriert, um einen bestimmten Ausdruck zu erzielen. Es war der Versuch, eine frei gewählte, kreative Identität anzunehmen und damit zu ergründen, wie weit das Leben zweier Menschen, ihre Körper und ihr Bewusstsein, miteinander verschmelzen können - eine symbolische Geste gegenüber der Evolution (Obwohl Lady Jaye 2007 verstarb, führt Genesis das Projekt als Verkörperung der Gesamtheit BREYER P-ORRIDGE fort).

“SPILLAGE...Cut-Ups as a way of L-if-E” ist eine zwei Jahrzehnte umfassende Sammlung bestehend aus Fotomontagen und Expanded Polaroids, die bislang nie gezeigte Arbeiten ebenso umfasst, wie eine Auswahl an P-Orridges Mail Art. Die Ausstellung markiert den Höhepunkt einer neuen, bevorstehenden Phase in Breyer P-Orridges Leben. Ihre gesamte Karriere – insbesondere das pandrogyne Projekt – ist der Grenzüberschreitung gewidmet und spürt dem Underground nach, belegt erneut die Ausdrucksstärke und den weitreichenden Einfluss jener Künstler, die die Welt nicht so hinnehmen, wie sie sich ihnen präsentiert – vernünftig, orthodox, vorhersehbar – sondern so, wie sie sie gerne hätten.

Arbeiten von Genesis P-Orridge und BREYER P-ORRIDGE wurden international gezeigt, kürzlich unter anderem bei Deitch Projects, Mass MOCA, im Centre Pompidou, im Contemporary Art Museum St. Louis, im Barbican Museum, im Swiss Institute und bei White Columns. Die Tate Britain erwarb Werke für ihre ständige Sammlung.

Weitere Informationen zu dieser Ausstellung, entnehmen Sie bitte der Website der Galerie http://www.rupertgoldsworthy.com/ oder nehmen Sie telefonisch oder per E-Mail Kontakt auf.

Öffnungszeiten: Donnerstags bis Samstags 12 bis 18 Uhr.

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