Friday, August 14, 2009

Pressemitteilung: Gabriele Stellbaum "Bartleby"

PRESSEMITTEILUNG: AUSTELLUNGSERÖFFNUNG

Die Galerie freut sich eine Einzelausstellung mit neuen Arbeiten der Berliner Künstlerin Gabriele Stellbaum zu präsentieren. Die Ausstellung wird vom 5. September bis zum 10.Oktober zu sehen sein. Die Ausstellungseröffnung findet am 5. September 2009 von 18 – 22 Uhr statt.

Für ihre neue Videoinstallation "Bartleby" verwandelt Gabriele Stellbaum die Galerie in ein angedeutetes Filmset. Zigarrenbraune Holzpanele bekleiden die Wände, während zwei Schreibtische mit Drehstühlen den Besucher zum Hinsetzen ein laden, um der raumfüllenden Projektion zu folgen.

Stellbaums video basiert auf der 1853 geschriebenen Erzählung "Bartleby, the Scrivener -A Tale of Wall Street" des amerikanischen Authors Herman Melville. In Stellbaums Version dieses bekannten Werks agiert der Protagonist Bartleby als weibliche Bürokraft: blässlich sauber, bemitleidenswert korrekt, unrettbar einsam. Eine völlig unbedeutende, aber immer präsente Bürokraft, die eines Tages, völlig unerwartet, ihren Arbeitgeber durch ihre stille aber resolute Pflichtverweigerung zur Verzweiflung und zur Kapitulation treibt. Die Handlung wird aus der subjektiven Erzählperspektive von Bartlebys Arbeitgeber geschildert, der niemals in Erscheinung tritt.

Sobald Bartleby um etwas gebeten wird, erwidert diese nur sehr höflich „Ich möchte lieber nicht“ („I would prefer not to“) und wendet sich wieder ihrer Arbeit zu. Dies führt soweit, dass Bartleby eines Tages ihre Arbeit ganz einstellt und nur noch an ihrem Arbeitsplatz verweilt. Die Verweigerungsformel Bartlebys schlägt den Arbeitgeber schließlich in die Flucht, denn kündigen lassen möchte sich Bartleby auch lieber nicht.
Stellbaum verdichtet die Handlung auf Bartlebys bizarre Verweigerungsaktionen und die zunehmende Handlungsunfähigkeit des Arbeitgebers.

Der Medientheoretiker Arjun Appadurai schreibt über den heutigen Arbeitspatz:

“the imagination has become an organized field of social practices, a form of work (in the sense of both labor and culturally organized practice), and a form of negotiation between sites of agency (individuals) and globally defined fields of possibility. This unleasing of the imagination links the play of pastiche (in some settings) to the terror and coercion of states and their competitors.“

Stellbaums Bartleby ist nicht der Prototyp der modernen negativen Heldin. Zwar verhält sie sich passiv, aber es ist eine provozierende Nichtunterordnung, die die Situation konsequent strukturiert und den Handlungsraum vorbestimmt. Bartleby spiegelt stummen Protest in Bezug auf die zeitgenössische “finanscape“ und erinnert daran wie individuelle Strategien der Nichteinordnung in die Mechanismen der Bürowelt eine Umgestaltung der globalen kulturellen Entwicklung beeinflussen können.

Für weitere Information zu dieser Ausstellung kontaktieren Sie bitte die Galerie per Telefon oder Email, oder besuchen Sie unsere Website unter www.rupertgoldsworthy.com .

Die nächste Ausstellung der Galerie wird eine Gruppenausstellung sein.

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